Recycling
Was mache ich an einem Sonntag, an dem weit und breit kein ordendlicher Flohmarkt* zu finden ist? Verzweifeln? Nein – sinnvolle Bastelarbeiten.
Manche der Schallplatten, die ich an Land ziehe, sind dermaßen verdreckt, dass ich sie durch vorsichtiges Abstauben nicht sauber bekomme. Manuelle Reinigung mit lauwarmem Wasser und Mikrofasertuch wäre eine Lösung, aber das war mir zu einfach. Stattdessen habe ich Schraubenzieher, Zange, Säge und Stecheisen geschwungen, um mir eine Schallplatten-Waschmaschine zu bauen.
Die besteht hauptsächlich aus einem alten Pioneer-Plattenspieler, dessen Tonabnehmer-Nachführung kaputt ist und er deswegen eigentlich schon längst auf dem Sperrmüll hätte landen sollen. Als weitere Zutaten kommen noch etwas Holz aus der Lehne eines Pseudo-Ikea-Sessels, Aluminiumrohr aus einer alten Kaffeemaschine, Nylongarn, Pattex, ein paar Schrauben, Schrumpfschlauch, normaler Schlauch, ein altes Aleteglas und als Absaugdüse ein T-Schlauchverbinder hinzu. Als “Saug-Quelle” benutze ich den 60er-Jahre-Werkstattstaubsauger meines Vaters.
Die Theorie: Die Platte wird auf den Plattenteller gelegt und mit einer Reinigungsflüssigkeit befeuchtet, die dann die Platte reinigt und anschließend wieder abgesaugt wird. Als Reinigungsflüssigkeit nimmt man eine Mischung aus destilliertem Wasser, Propanol und einem Tropfen Spülmittel. Damit die abgesaugte Flüssigkeit im Staubsauger keinen Unfug anstellt, wird sie vorher in einem Glas gefangen.
Die Praxis: Destilliertes Wasser und Propanol sind nicht im Haus. Stattdessen nehme ich Leitungswasser und Brennspiritus (also vergälltes Ethanol). Den empörten Aufschrei aller Plattenfreunde, die diesen Artikel vielleicht lesen, ignoriere ich einfach mal eiskalt. Kalkspuren habe ich nicht festgestellt, und das Vergällungsmittel (irgendein Keton, wenn ich mich nicht irre) hat die bisher gereinigten Platten nicht zum Schmelzen gebracht, auch wenn es dazu durchaus imstande*³ wäre.
Ein Test (vorsorglich erst mit “Weihnachten mit Andrea Jürgens”, sie möge es mir verzeihen) war einigermaßen erfolgreich; nach etwas Feintuning war das Ergebnis dann durchaus zufriedenstellend. Mittlerweile habe ich noch “The Turn Of A Friendly Card” mit der Waschmaschine gesäubert, und die Platte sieht aus und hört sich an als käme sie frisch aus dem Presswerk. Da aber die ganze Geschichte ziemlich aufwändig ist (Gerätschaften aufbauen, Flüssigkeit brauen, Lärm des Staubsaugers ertragen,…) werde ich sie aber nur in Ausnahmefällen einsetzen.
* In Kücknitz wäre einer gewesen, aber das ist mir zu weit weg*², und ich wollte auch mal ausschlafen…
*² Laut Google Maps etwa 5 Stunden Fußweg, Ermüdungserscheinungen nicht mit einberechnet
*³ Ja, ich glaube, das wird mittlerweile so geschrieben.



